Die Hospizidee

 

Bei dem Begriff „Hospiz“ denken viele von uns an eine christliche Herberge, sei es als Seefahrer-Hospiz in den Hafenstätten oder – vielleicht noch bekannter – als eines der vielen Hospize an den Alpenpässen, die im Mittelalter als Herberge für Pilger entstanden und neben Übernachtungsmöglichkeiten auch Hilfe für Kranke anboten. Das Wort „Hospiz“ geht in seinem Wortstamm auf das lateinische hospitium = Gastfreundschaft, Herberge zurück. Dies ist der gleiche Wortstamm aus dem sich auch das Wort Hospital entwickelte.

 

Die Ausprägung des Hospizbegriffes in seiner heutigen Form begann um 1900, als ein irischer Orden – die Schwestern der Nächstenliebe – zunächst in Dublin, später in London, Hospize einrichtete, in denen sie Sterbende aufnahmen, die anderswo keine Möglichkeit der Betreuung mehr hatten.

 

Eine entscheidende inhaltliche Wandlung erfuhr der Begriff „Hospiz“ durch die englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin Cicely Saunders. Bei ihrer Arbeit als Sozialarbeiterin erfuhr sie, wie unzureichend den Bedürfnissen angepasst Sterbende in Krankenhäusern versorgt wurden, versorgt werden konnten. Nach jahrelangen Vorbereitungen und unzähligen Gesprächen mit Betroffenen eröffnete sie im Jahre 1967 in London das St. Christophers Hospiz und stellte somit ein neues Hospizkonzept vor.

 

Neu waren nicht der Name oder die Idee der Sterbebegleitung, sondern die Ergänzung der Sterbebegleitung durch fundiertes Fachwissen, besonders aus den Bereichen der Medizin und der Psychologie, im Besonderen auf dem Gebiet der Schmerztherapie. Großer Wert wurde von Anfang an darauf gelegt, den Sterbenden so lange wie eben möglich einen Aufenthalt zu Hause, im Kreis der Familie, zu ermöglichen.

 

Hospiz vor Ort

 

Diesem Gedanken folgend entwickelte sich auch im Rhein-Erft-Kreis eine Hospizinitiative, die schließlich zur Gründung von Hospizvereinen 1993 in Frechen, 1995 in Bedburg/Bergheim/Elsdorf und in den folgenden Jahren auch in Brühl, Erftstadt, Hürth, Kerpen, Pulheim und Wesseling führte. In enger Zusammenarbeit der einzelnen Vereine ist es somit möglich, hospizliche Dienste flächendeckend im Rhein-Erft-Kreis anzubieten.

 

„Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind.

Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch leben können bis zuletzt.

 

Diese Aussage von Cicely Saunders verdeutlicht die Grundhaltung, auf der die Hospizarbeit aufbaut.

 

Ziel der fast 350 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der 8 Hospizvereine ist es also, unseren sterbenden Mitmenschen ein Sterben in Würde - möglichst in der gewohnten Umgebung der Familie -  zu ermöglichen und die Familien in dieser wichtigen Aufgabe „einem Leben mit dem Sterben“ zu unterstützen. Die individuelle Begleitung durch unsere geschulten Mitarbeiter, die für die Betroffenen kostenfrei ist, ist individuell auf die Wünsche und Bedürfnisse der Begleiteten abgestimmt. Dies können beispielsweise Gespräche mit den Sterbenden oder den Angehörigen sein oder die Übernahme einer Nachtwache am Krankenbett. Das kann aber auch eine Tagesbetreuung sein, wenn z.B. der Partner berufstätig ist oder, oder, oder – eben vieles von dem, was nötig ist, um es Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu ermöglichen, ihr Leben in einer gewohnten Umgebung zu beenden und nicht in einem fremden Haus, in einem fremden Zimmer, in einem fremden Bett, umgeben von fremden Menschen sterben zu müssen.

 

Die größte Einschränkung der Lebensqualität erfahren Menschen in der Regel durch die aufgrund ihrer Krankheit auftretenden Schmerzen. Durch die Erfahrungen der Pallitivmedizin (von lateinisch palliare = lindern) ist es heute möglich, die meisten Kranken schmerzfrei oder doch in einem Zustand erträglicher Schmerzen zu halten. Glücklicherweise findet das spezielle Fachwissen aus diesem Bereich  zunehmend Verbreitung bei der Ärzteschaft in Deutschland.

 

Um eine angemessene ambulante Versorgung von Schmerzpatienten zu ermöglichen, gründeten die Hospizvereine im Rhein-Erft-Kreis eine gemeinnützige Gesellschaft, die Hospiz im Rhein-Erft-Kreis gGmbH, unter deren Trägerschaft seit dem 1. August 2000 ein Palliativ-Pflegedienst, also eine Sozialstation mit dem Schwerpunkt in der Schmerzbehandlung, seine Dienste flächendeckend im Rhein-Erft-Kreis anbietet.

 

Ein weiteres Betätigungsfeld der Hospize im Rhein-Erft-Kreis ist die Trauerbegleitung.

 

In einer Leistungsgesellschaft wie der unseren, stoßen wir immer wieder auf Hindernisse, unserer Trauer angemessen Raum zu geben. Freunde und Nachbarn stehen der Trauer oft hilflos gegenüber. Hier bieten die Hospize Trauernden Hilfe in Form von individuellen Einzelbegleitungen oder Gesprächsgruppen an. Ziel dieser Trauerbegleitung ist es nicht, die „Trauer wegzumachen“, sondern ihr den gebührenden Platz im Leben des einzelnen zu geben – einen Platz, der ein Leben mit der Trauer ermöglicht.

 

Wir wären Ihnen dankbar, wenn auch Sie sich dazu entschließen könnten, uns in unserer Arbeit zu unterstützen. Dazu gibt es viele Möglichkeiten. Durch Mitgliedschaft in einem unserer Hospizvereine helfen sie uns mit Ihrem Jahresbeitrag in unserer Arbeit. Auch durch Spenden können Sie unsere Arbeit mittragen. Hier gibt es z.B. die Möglichkeiten von Trauer-, Festtags- oder Jubiläumsspenden. Ebenso kann uns der Erlös von Veranstaltungen helfen, unsere Aufgaben zu erfüllen.

 

Besonders erfreulich wäre es natürlich, wenn auch Sie sich entschließen könnten, unser Angebot durch ehrenamtliche Mitarbeit zu unterstützen.

 

Mitarbeit im Hospiz beinhaltet die Freiheit, immer wieder selbst bestimmen zu können, in welchem Umfang und in welchen Bereichen der Einzelne mithelfen will.

 

Neben der Sterbe- und Trauerbegleitung gibt es noch viele andere Bereiche, in denen wir Ihre tätige Mithilfe benötigen, wie z.B. Arbeiten im Kontaktbüro, in der Öffentlichkeitsarbeit oder in der Schulung unserer MitarbeiterInnen.